Die Essenz eines Urlaubs

In der Wirklichkeit bin ich noch nicht in Urlaub, aber in Gedanken schon.

Ich entdecke mir die Terrasse des Ferienhauses, hole mir einen Liegestuhl, und bade mich in der Sonne. Ich lese nicht einmal, nur sehe mir das azurblaue Meer und die Wolken an. Das ist Urlaub: einige Stunden lang gar nichts zu tun. Angenommen, dass im Meer zu schwimmen, in der Sonne zu baden und die Wolken zu beobachten nicht etwas ist. Das ist wie Liebesglück: Liebe ohne Schmerz, ohne Angst, nur Glück, Ruhe und Gleichgewicht. Oder ist leidenschaftliche Liebe gerade das Gegenteil davon? Das kann stimmen. Aber Liebesglück ist wieder keine verrückte Liebe, sondern Gleichgewicht, Ruhe und – Glück.

Sorrento. Ich mag die Orangen, Mandarinen und Zitronen, die Tomaten und das Basilikum. Mein Lieblingsgericht: Gnocchi alla Sorrentina. Hier gibt es eine Lemoncello Fabrik, so kann man die Herstellung beobachten und den Zitronenlikör ausprobieren. Aus Sorrento mit einem Schiff nach Capri, mit funicolare (Standseilbahn) nach oben in die Stadtmitte, Spaziergang bis zur Villa Jovis, Palast vom Kaiser Tiberius. Unterwegs Zitronenbäume, Sträucher, wie Oleander, Zypressen, Oliven, Lilien, Aloe, Palmen. Auf dem Weg befindet sich noch kurz vor dem Palast ein letztes Café. Panini alla Caprese, glühender, blendender Sonnenschein.

Interessiert mich nichts mehr, nur was schön duftet und lecker ist? Nicht einmal Bücher, keine Filme? Dasein ohne Realitätsbezug? Für ein Paar Minuten oder Stunden gilt: Urlaub = keine realitätsbezogene Wahrnehmung. Aber am Abend, als ich wieder auf der Terrasse liege, lese ich.

halbinsel2

Eine Bucht an der Küste in Italien, Halbinsel von Sorrent

Amalfiküste Amalfi coast

Ausflug auf der Halbinsel von Sorrent

Sorrento

Sorrento

Capri

Kennzeichen von Capri

halbinsel1

Eine Bucht

Advertisements

Sommerlektüre 2.

Ich verabschiede die Fußball Weltmeisterschaft mit kurzen sommerlichen Buchempfehlungen aus der englischen und französischen Literatur.

⚽ Im Buch „Die Entführung der schönen Hortense“ ([1993] in Übersetzung von Eugen Helmlé Carl Hanser Verlag, 1991) sind Katzen, Hunde, Ponys echte Romanfiguren. Sie besitzen einen bestimmten Charakter, erleben Gefühle, ebenso, wie Menschen. Sie können uns allerdings viel mehr verheimlichen als umgekehrt. In satirischen Romanen von Jacques Roubaut können sie nicht fehlen. Die Entführung der schönen Hortense“ entdeckte ich bei dem Ausverkauf alter Bücher in einer Bibliothek. Roubaut kannte ich damals als Dichter, der sich sehr für Troubadour-Lyrik interessiert. Und als Mitglied der Gruppe Oulipo (mit Italo Calvino, Georges Perec, Raymond Queneau zusammen). Gleich die ersten Sätze überzeugten mich: das Buch, der zweite Band eines Romanzyklus, ist ein Lesevergnügen. Voller literarische, filmische Andeutungen, Sprachspiele, Reflexionen auf das Lesen und das Schreiben. Ein Zitat von dem Auftakt des Buches:

„Der einzige Lichtschein kam von den Sternen und dem Frühlingsvollmond, neben dem die städtischen Straßenlaternen lächerlich erschienen. Schwarz waren die Grünpflanzen der Gudule-Bar; schwarz die Blätter der Bäume in der Grünanlage; weiß und pipigelb der Sand im Sandkasten; dunkelblau der Himmel auf dem Grunde der Kompottschale der Gestirne. Kein Auto, kein Autobus T (fakultative Haltestelle) störten die meditative Stille der Straßen (so wenig wie meditative Straßen übrigens). Kein Mensch, keine Seele. Folglich auch keine Menschenseele. Die Geräusche der Stadt drangen nur schwach, wie von ferne, aus einer anderen Welt, herüber: aus der Welt der Angst, des Vergänglichen, der Illusion; aus der barbarischen, fleischfressenden, galgengesichtigen Welt; aus der Welt des Fiebers, des Schiebers, des Kassibers; der Gebrechen, der Sorgen, der Verbrechen; aus der Welt des Wahnsinns, des Stumpfsinns, des Eigensinns; des Profits, des Sprits, des Rauchs; der Lykanthropie, der Pyromanie, der Syzygie; und umgekehrt….; mit einem Wort, aus der Welt.

tier.JPG

⚽ Anna Gavalda: „Zusammen ist man weniger allein“ (Carl Hanser Verlag, [2004] Übersetzung: Ina Kronenberger, 2005) – Die Verfilmung des Bestsellers gefällt mir zwar, doch das Buch hat mich viel mehr berührt. Es zeigt mir stärker die Verzweiflung, den Zusammenbruch, also die existenzielle Tiefe, woher die Romanfiguren kommen, als sie einander gegenseitig das Leben verändern. Anna Gavalda erzählt unverhüllt über unser Zeitalter, ihr Schreibstil ist genauso extravagant, wie ihre Figuren sind.

⚽ Antoine de Saint-Exupéry: „Nachtflug“ (S. Fischer Verlag, [1931], Übersetzung: Hans Reisiger, 1976) – Saint-Exupéry beschreibt das Fliegen öfter als Schweben durch die Luft, wie ein Schiff schwimmt zwischen den Wellen. Denn Flugzeuge kämpfen sich tatsächlich durch wilde Gewitter und graben ihre Furchen in die Atmosphäre, die nicht nur Luft, doch auch Wasserdampf (Wolken, Niederschlag) enthält. Hier eine innige Szene:

„Die Frau des Piloten, durch das Telefon aufgeweckt, betrachtete ihr Mann und dachte: >Ich lass ihn noch ein bisschen schlafen.< Sie bewunderte diese nackte, klargewölbte Brust, sie musste an ein schönes Schiff denken. Er lag hier im Bett geborgen wie in einem Hafen, und damit nichts seinen Schlummer störe, strich sie da und dort eine Falte fort, einen Schatten, eine Woge; glättete dieses Bett, wie eine Göttin mit schützender Hand das Meer.“ Kapitel X

Und erstaunlich: sowohl die Perspektive der Frau als auch die des Mannes sind da – in der gleichen Szene.

france.JPG

⚽ PG Wodehouse bringt die Leser mit seinen Wortspielen und ironischen Beschreibungen zum Lachen. Seine komischen Figuren bringen alles durcheinander. Diese, meist verliebten Personen geben die Hoffnung nie auf, sie haben immer eine irre Lösung parat. Manche entführen zum Beispiel die Königin von Blandings, das geliebte Schwein des Schlossherrn, Lord Emsworth. Wenn es an der Fantasie des Lords Bruders, Galahad liegt, taucht das Schwein wieder in einem eleganten Zimmer des Schlosses auf. Meine Auswahl: „Vollmond über Blandings Castle„, „Sommerliches Schlossgewitter„, „In alter Frische

wodehouse.JPG

Brombeeren

Als ich die Brombeeren pflückte, kam ein älterer Mann und fragte mich lächelnd: „Essen Sie die Brombeeren?“, dann „Aber vorher fotografieren Sie sie?“, oder etwas ähnliches. Wir lachten. „Sie schmecken“, versicherte ich ihn.

Es fiel mir leider nicht ein, ihn zu fragen, ob er auch möchte, obwohl ich sah, dass er mit einem Dreirad unterwegs war, der auch Rollstuhl sein konnte. Warum kommt man nicht rechtzeitig auf die Idee? Aber dann pflückte er sich welche selbst.

brombeeren1

brombeeren2

brombeeren3

brombeeren4

brombeeren5

Emotionen in einem Netz

In der Kunstsammlung NRW K21 in Düsseldorf befindet sich seit dem Frühjahr 2013 die Rauminstallation „in orbit“ von Tomás Saraceno.

In orbit” ist eine künstlerische, architektonische Verwirklichung des Netzmodells, das in der Natur, in der Gesellschaft zu finden ist. Die Besucher konnten die Installation im Zeitraum zwischen 2013 und 2016 betreten und sich auf ihren mehrdimensionalen Oberflächen frei bewegen. Nach einer Zwischenphase für Wartungsarbeiten wurde die Installation 2017 für die Besucher neu eröffnet. Ich besuchte die Installation am Wochenende wieder, und machte neue Bilder.

Ich nutze jetzt auch die Möglichkeit, das Kunstwerk gründlicher zu beschreiben. Früher habe ich über das Betreten des Netzes als Teilnahme geschrieben: Resonanzen finden.

Die Installation hat nicht die klassische Spinnennetzstruktur mit einem Zentrum und davon strahlig divergierenden Fäden, sondern sie ist ein Gewebe, das eine Gitternetzstruktur aufweist und das mehrmals gefaltet ist, so erstreckt sich nicht nur flach sondern durch Falten und Überlappen dreidimensional. Die Netzschichten werden von denSphären“ also den Plastikkugeln auseinander gehalten, indem die riesigen Kugeln zwischen den aufeinander gefalteten Netzschichten sitzen. Drei von ihnen sind durchsichtig, die Vierte hat eine spiegelnde Oberfläche, die den Innenraum des Gebäudes widerspiegelt: das schlichte moderne Atrium mit Öffnungen zur Außenwelt und zu weiteren Innenräumen, und seine Besucher.

orbit4.JPG

Das Gebäude der Kunstsammlung K21

Die geräumige Piazza besitzt innen moderne schlichte weiße Fassaden mit Öffnungen zu den Etagen. Oben ist die Kuppel transparent, ihre vielen kleinen Glasscheiben werden durch Stahlgitter gehalten, weshalb auch die Kuppel wie ein festes unbewegliches Netz, ein architektonisches Gewebe aussieht. Mit anderen Worten verdoppelt sich die Netzstruktur, das flexible Netz der Installation wiederholt sich im festen Netz der Kuppel. Aus verschiedenen Positionen im Gebäude, oder im Netz, erhält der Betrachter neue Sichtweisen zur Installation. Die Wahrnehmung, auch wenn man die Schwingung des Netzes nicht erlebt, nur auf dem festen Boden bleibt, wird von dem Zusammenspiel der Installation und des Gebäudes beeinflusst.

Von unten aus dem Erdgeschoss gesehen bilden die zwei Netzstrukturen (die feste und die flexible) ein Muster, zu denen der Himmel (jetzt sonnig, andermal mit Wolken) einen malerischen Hintergrund bildet. Die Menschen erscheinen als Insekten oder Spinnen im Netz  – wegen der Entfernung.

orbit2

In höheren Sphären schweben

Die Installation trägt den Namen „in orbit”. Dieser Begriff bezeichnet grundsätzlich die ellipsenförmige Bewegung der Planeten, Kometen oder Asteroiden. Während Planeten herum kreisen, haben Kometen eine exzentrische Laufbahn. Dadurch weist der Name in orbitdarauf hin, dass die Installation weniger als ein konstanter Gegenstand zu verstehen ist, sondern als ein bewegter Gegenstand. Die Bälle im Netz könnten an Planeten erinnern, doch sie heißen „Sphären“. Das Wort ist auf das lateinische Wort „sphaera“ und auf das griechische Wort „sphaĩra“ zurückzuführen, die Himmelskugel bedeuten. Die Sphäre bedeutet in der heutigen Sprache die Umgebung, die Umwelt, das Milieu, was uns im Leben umgibt. Deshalb bringen die Bälle in der Installation nicht ausschließlich die Planeten zum Ausdruck, sondern auch die ökologische oder soziale Umgebung, die uns umgibt. Die Betonung der kompletten Installation liegt dabei auf der Positionierung. Wir stehen nicht ausschließlich auf ihr oder sind ausschließlicher Betrachter aus der Ferne, sondern in ihr selber. Die Installation stellt durch diese Benennungen weniger die Planeten und das Weltall dar, sondern das in Bewegung sein im Weltall.

Das Wort in orbit” wird in der englischen Sprache auf der bildlichen Ebene für „ecstatic“, ekstatisch, verzückt, euphorisch, berauscht benutzt. Diese Bedeutung lässt sich mit der deutschen Redewendung „in höheren Sphären schweben“ passend ergänzen. Auch im Englischen finden wir einen ähnlichen Ausdruck: „float on air“, eine euphorische Emotion erleben. Das „in orbit Befinden“, also die Installation zu betreten, könnte man als einen euphorischen, berauschenden Zustand in Worte fassen, den die Installation hervorruft.

orbit3

Emotionen bei dem Erleben der Installation

Der „Kunstgenuss“ wird im Netz von Verwöhnungseffekten erweitert: Den Besuchern sind Kissen vorbereitet, man kann sich auf dem Netz hinsetzen, hinlegen, sich beim Liegen nach unten oder nach oben wenden, die möglichen Perspektiven entspannt wahrnehmen. Das Schweben stärkt sogar das Gefühl in einer Wiege zu sein, man kann sich in den Schlaf gewogen fühlen. Oder virtuell zwischen Himmel und Erde schweben oder eventuell fliegen.

Man darf nicht vergessen, dass es hier um ein Netz geht, das aufgrund der Beobachtung von Spinnennetzen entstanden ist. Spinnen rufen bei Menschen häufig Angst hervor, ihre Netze sind für diese Wesen das Instrument des Ergreifens der Beute. Im Spinnennetz sitzenzubleiben drückt aus, Beute und Opfer zu sein. Oder aber einfach gefangen zu sein, wie in einem Fischernetz. Die Netz-Metapher kann deshalb Assoziationen wachrufen, die uns sensitiv machen und uns an unsere Grenze gehen lassen, und uns an sie herantasten lassen.

Die Besucher, besonders diejenigen, die das Netz zum ersten Mal betreten, bewegen sich vorsichtig. Viele von uns suchen ständig einen festen Griff, haben Angst vor der Tiefe oder vor den Spinnen. Doch auch diejenigen, die keine Angst haben, konfrontieren sich mit dem Gefangensein oder mit der Angst der Anderen und erleben dadurch ein erfassbares Gefühl, das Mitgefühl, und fragen sich, wie sie sich zu den Griff Suchenden verhalten sollen. Die meisten Menschen kommen mit Partner oder in einer Gruppe.

Die Paaren und Gruppen bekämpfen ihre Ängste oder Unsicherheit gemeinsam, Hände haltend, einander führend, unterstützend, ermunternd. Eine Situation, in der die Menschen sich noch näher zusammen finden: Wärme, Intimität, Teamgeist oder sogar Harmonie entstehen. Die allein Stehenden bleiben nie ganz fremd. Die Unsicherheit, die tastende Bewegung evoziert ein Angebot zur Hilfe der Anderen. Sich im gleichen Netz zu befinden, ironisch könnte man sagen, zusammen gefangen zu sein, kann gleichsam bedeuten füreinander da zu sein.

„Ein Klavier für alle, bitte spielen Sie“

 

asphaltpiano4

Du kommst aus der Tiefe des U-bahn-Tunnels an der unterirdischen Haltestelle Heinrich Heine Allée in Düsseldorf an. Es wird Klavier gespielt! Zwei junge Frauen sitzen an einem Piano und musizieren. Da steht: Spiel einfach, das Klavier steht dir zur Verfügung.

 

Diese Aktion läuft im Rahmen des Asphalt Festivals (ab 12.7 bis 22.7 2018) an zwei U-Bahnhöfen (Heinrich-Heine-Allee und Oberbilker Markt). So etwas gab es schon auch in Paris, Venedig, Stockholm, Moskau, Lissabon. Das Asphalt Festival begeisterte mich auch schon letztes Jahr, viele Veranstaltungen, Konzerte, Performances, Tanztheater fanden unter freiem Himmel statt, in Parks und Gärten, am Hafen, viele von ihnen bei freiem Eintritt. Ich freue mich auf unsre diesjährigen schönen musikalischen Abende.

Sommerlektüre

Es entstanden im Laufe der Woche einige kurze Buchempfehlungen zur Fußball WM. Die Länder, deren Mannschaften diese Woche am Ball sind (gewesen sind), haben nämlich auch eine hervorragende Literatur. So hatte ich die Möglichkeit einige von meinen Lieblingslektüren zu besprechen. Einige von ihnen eignen sich vielleicht als Sommerlektüre.

Alan Bennett: Die souveräne Leserin Aus dem Englischen von Ingo Herzke. Wagenbach Verlag 2008

uncommon.JPG

Bei diesem Buch mag ich sehr die Selbstverständlichkeit, wie der englische Autor mit der Leseleidenschaft umgeht. Diese sei zwar ein ganz unpraktisches Ding, doch reißt jedermann mit sich fort, ob Königin oder Aushilfe in der Küche von dem Buckingham Palast. Alan Bennett bespricht Bücher, Klassiker und Queere Literatur, während er uns für sie begeistert. Dabei erfahren wir, wie anstrengender zugleich eintöniger Beruf ist es Königin zu sein – wenn man (Ihre Majestät) nicht lesen darf. Politiker, Bürokraten, doch auch Schriftsteller erhalten sarkastische Anspielungen. Die Geschichte ist mit einem ironischen doch freundlichen Ton erzählt. Sie ist kurz, spannend und auch noch der Schluss bereitet uns Überraschungen.

Als großer Klassiker der japanischen Literatur gilt „Die Frau in den Dünen“ von Abe Kobo.

japanw.jpg

Ein ahnungsloser Naturliebhaber kann bei seinem Insektensammler-Ausflug nicht vermeiden bei fremden Leuten zu übernachten. Die Unterkunft ist eine tiefe Höhle, eine Mulde im Sand. Als er am nächsten Tag nach Hause gehen möchte, stellt er fest, dass er in der Mulde gefangen worden ist. Mit ambivalenten Gefühlen betrachtet er die hübsche, schweigende Frau, die permanent den rinnenden Sand schaufelt, um ihre Höhle bewohnbar zu machen. Der Fremder versucht sich zu retten, aber je mehr er im Sand nach oben klimmt, desto mehr Sand treibt er nach unten und gräbt sich ein. Er kämpft dann mit der Frau, als wäre sie sein Feind, doch mit der Zeit entdeckt er bitter, was das Überleben in dieser Umwelt bedingt. „Die Frau in den Dünen“ (1962) hat eine starke Atmosphäre, die man nicht mehr vergessen kann. Das Buch erscheint erneut September 2018 beim Unionsverlag, es wurde verfilmt, und es gibt ein Hörspiel von ihm.

Ein anderer Japaner Schriftsteller, Nagai Kafu schrieb etwas früher, am Anfang des 20. Jahrhunderts lesenswerte Erzählungen. Sie sind zwar nicht so beeindruckend, wie „Die Frau in den Dünen„, aber sie schildern malerisch und gefühlvoll das Leben in Edo mit den Geishas und Theatern in dem Moment, als sich Tokio zu entfalten beginnt. Diese Zeit klingt auch im Buch „In der Ferne der Fuji wolkenlos heiter“ an, das mehr als 250 schöne Tanka, japanische Kurzgedichte von Bokusui beinhaltet.

Die schöne Hortensevon Jacques Roubaut ist ein lustiger Kriminalroman und eine leichte Liebesgeschichte zugleich, zudem die Parodie von denen.

hortensie.JPG

Die Erzählung baut sich aus Banalitäten, als ernsthafte Tatsachen getarnten Mären auf, mit witzigen Bemerkungen, den Erwartungen widersprechenden Wendungen, literarischen Hinweisen gewürzt. Verschiedene Erzähler, aber auch wir Leser sind in die mystische Geschichte eingewoben, und kommen uns ein wenig komisch vor, wie auch die anderen Figuren. Wir sind hier besonders und alles nur nicht alltäglich. Sogar eine Katze, namens Alexander Wladimirovitsch, spielt eine wichtige Rolle, sie beeinflusst und verheimlicht die frevelhaften Ereignisse im Buch, während die schöne Hortense lässt sie über sich ergehen. Im Roman entfaltet sich eine philosophische, moralische, sexuelle Freizügigkeit. Jacques Roubaud schreibt, wie ein poetischer Stand-up-Comedian. Der Franzose kann die winzigsten Details humorvoll beschreiben. „Die schöne Hortense“ erschien 1985, dann folgten noch zwei Bände, der Dritte fehlt noch in meinem Regal. Aus dem Französischen von Eugen Helm, Carl Hanser Verlag, 1989

Mario Benedetti aus Uruguay ist ein sehr bekannter Schriftsteller in Latein-Amerika.

benedetti.JPG

Die Gnadenfrist“ (1960, Lamuv Verlag, ü: Willi Zurbrüggen, 1984) habe ich von einer Venezolanerin erhalten. „Eine traurige Geschichte, ich weiß, doch von meinem Lieblingsschriftsteller.“ „Die Gnadenfrist“ ist der Tagebuch eines Mannes vor der Rente, dem das Schicksal die wahre Liebe zweimal beschert hat. Jemand, der für sein Leben zur Rechenschaft gezogen wird.

„Ich habe das Gefühl, dass große Energien in mir ruhen, aber ich weiß sie nicht zu nutzen, weiß nicht, was ich mit ihnen tun soll. Ich glaube, du hast dich damit abgefunden, verbittert zu sein, und das finde ich furchtbar, weil ich weiß, dass du nicht verbittert bist.“

Lavendelblüten Geschmack

Lavendelblüten sind Gewürze, mit denen man Salat oder Kuchen aromatisieren, dekorieren und aufpeppen kann.

Da ich Lavendeleis und Lavendelhonig im Urlaub sehr lecker gefunden habe, probiere ich gerne auch die frischen Lavendelblüten aus dem Garten in meiner Küche aus. Sie schmecken jetzt im Sommer immer anders, mal herb-bitter, mal süßlicher. Später, die getrockneten Blüten werden wieder einen anderen Geschmack im Mund hinterlassen.

Lavendelblüten schmecken so, wie sie duften. Diesmal habe ich mir ein Seife-Eis zubereitet, denn ich habe des Bilds halber mit dem Würzen übertrieben.

lavendelblueten.JPG