„Worauf wartest du?“

Ich verstehe diese Frage nicht.

Ich glaube an die Entwicklung, ich habe keine Zeit zu warten. Doch es kann nicht alles gleich gelingen. Und natürlich kann ich keine unwürdigen Erwartungen erfüllen, auf alle Kompromisse eingehen. Ich suche Herausforderungen.

Die Welt ist voller Herausforderungen, dennoch können wir davon sehr wenig wahrnehmen. Unsere Arbeitswelt wie unsere zwischenmenschlichen Beziehungen werden immer mehr mechanisch. Doch eben deshalb wächst in uns der Wunsch um mehr. Und während die Welt scheint manchmal an herausfordernden Tätigkeiten zu mangeln, und einige Menschen scheinen sich vielleicht vor den herausfordernden Tätigkeiten zu scheuen, suchen viele eben Herausforderungen.

Dann klingt die Formel einfach so: Es gibt Herausforderungen, die man allein nicht bewältigen kann. Meistens prägen sich die Erwartungen und Voraussetzungen einfach so aus, dass ein Mensch allein nicht klarkommt. Was kann man dann tun? Immer wieder Mitmenschen suchen, sich entwickeln, planen, konstruieren. Ich glaube, es ist auch das, was ich hier durch den Blog probiere zu machen.

rosa

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Tanz und Spannung

Dritter Beitrag zum Thema der narrativen und verbalen Reduktion.

falling

Still aus dem Experimentalfilm Falling

6. Etereas –  Kurzfilm mit Animation (2013) 3,52 Minuten. Die visuellen Effekte zeichnen eine geometrische, abstrakte Dimension in den Film. Der Tanz ist leichtfüßig und beflügelt, doch die Kreisen und Linien zeigen die Spannungen, die bei den Bewegungen zwischen dem Körper, dem Gegenstand (Hula-Hoop Reife) und dem Raum entstehen.

7. Nam June Paik: Ausschnitt aus dem Global Groove (1973) 3,09 Minuten. Videokunst, visuelle Effekte, Reproduzierbarkeit, Tanz, Fluxus. Nam June Paik gilt als ein Begründer der Video- und Medienkunst, einige von seinen Videoinstallationen sind auch in Düsseldorf im Museum Kunstpalast zu sehen. Er war zwischen 1979 und 1996 Professor an der Kunstakademie.

8. Falling (Adriano Cirulli, 2011) Experimental-Kurzfilm, 3,39 Minuten. Montage, Beschleunigung und Verzögerung. Eine Transformation, die sehr poetisch erscheint.

Sternenbeleuchtete Abende

Abends ist es mild draußen nach dem Einbruch der Dunkelheit. Was könnte man sich Besseres vorstellen für einen schönen sternenbeleuchteten Abend, als im Freien liegend entspannt die Stimmung zu genießen: warme Luft, Vogelgezwitscher, Bäume… (Ob im Garten, auf dem Balkon, auf dem Hof, im Stadtgarten, Hauptsache möglichst entspannt.)

baumnacht

Auch gestern legte ich mich in die Hängematte, hörte zunächst dem Stadtlärm und den Vögeln zu, schaute den Lichtern zu, die durch die dichten Laubwolken durchleuchteten. Dann legte den Kopfhörer auf meine Ohren, und suchte mir eine Sendung im Radio aus, die Jazz spielte. Eine Musik, die ich eben brauchte, und ich sah den Sternen zu.

sterne

Zum Nachblättern: Oskar Loerke: Die Laubwolke, WDR3 Jazz & World, Improvisiertes zum Tagesausklang, Montag bis Freitag 22:04-0:00

haengematte

 

 

Tango: In Bewegung

Zweiter Beitrag zum Thema der narrativen und verbalen Reduktion. Mein Ausgangspunkt war Zbigniew Rybczyński‘s Kurzfilm, Tango aus dem Jahr 1980 und ein Videoclip, den der Graphiker Cyriak für Bonobo zum Song Cirrus gestaltete (2013), zu dem er die Inspiration von dem Tango verlieh (hier).

Die Szenen wiederholen sich bei diesen Filmen repetitiv. Es entsteht eine unendliche Zirkulation der Ereignisse, die immer mehr neue Bilder und Geschichten, immer komplexere Konstellationen erzeugt, dann umgekehrt, nach einem Höhepunkt immer weniger. Wie Flut und Ebbe. Bei Cyriak‘s Video produzieren sich massenhaft Bildmaschinen.

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Still aus dem Kurzfilm Sonnet 44.

Der Kurzfilm Tango weist auf das Thema „Perpetuum Mobile“ hin, denn die Bewegungssequenzen scheinen nie aufhören zu wollen.

3. Perpetuum mobile (Felipe Cardeñosa, 2007) 3.08 Minuten. Der Kurzfilm greift diese Metapher auf, um die Beziehung zwischen Realität und Fiktion beim Erzählen ironisch, enthüllend und sürrealistisch darzustellen.

4. Box (The Creator Project, Bot & Dolly, 2013) 5.14 Minuten. Die Künstler erzeugen durch visuelle Effekte neue Realitäten, somit können sie die filmischen Möglichkeiten weiterentwickeln. Faszinierend ist dabei die visuelle Reduktion auf diejenigen geometrischen Formen, die die Illusion der Räumlichkeit (3D) erschaffen.

5. Sonnet 44. (Thomas Freundlich, 2012) 1.48 Minuten. Verfilmung von Poesie durch Tanz und Bewegung. Nicht nur der menschliche Körper, auch die Umgebung drückt Bewegung, Gefühle, überhaupt, Shakespeare‘ Gedicht aus.

 

 

Schönes Wochenende!

rose

Diesen kleinen Gedichtband habe ich vor kurzem geschenkt bekommen. Ein Buch voller Entdeckungen für mich. Mit diesem Gedicht wünsche ich euch ein schönes Wochenende:

Weil

du ein Mensch bist

weil

ein Mensch eine Muschel ist

die manchmal tönt

weil

du in mir tönst

als wär ich eine Muschel

weil

wir uns kennen

ohne Namen und Samen

weil

das Wort Welle ist

weil

du Wort und Welle bist

weil

wir strömen

weil

wir manchmal zusammenströmen

Wort Welle Muschel Mensch

Rose Ausländer: Weil, in Gedichte, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2001, 2018

Rosarote Gemütslage

Bei mir ist sie mit dem Frühling verbunden. Die rosarote Gemütslage ist so etwas wie: Als Kind mit dem Fahrrad von einer kleinen Anhöhe geschwind nach unten rasen. Lenkrad festhalten, Kopf nach vorne, nur das nächste Ziel, den Weg anschauen, der den Horizont noch nicht ganz erreicht hat. Sonst verliert man den Gleichgewicht. (Vorsicht, man muss auch bremsen können).

Frühmorgen vor der ersten großen Prüfung, kaum geschlafen, sehr viel gelesen, gelernt, aufgeregt in die Uni gehen. Die Düfte sind noch schärfer, das Zwitschern der Vögel geller, die Farben betonter und die Menschen freundlicher.

Auf den Weg aufbrechen, auf dem die Träume wahr werden. Immerhin ein warmer, einladender Anfang. Du weißt, du kannst bei dieser oder der nächsten Prüfung scheitern, doch deine Person, dein augenblickliches Ich ist vorbereitet, bereit für das Leben, und dahingehend auch vollkommen.

Als ob alles für einige Minuten stehen bleiben könnte, um den Moment ein wenig zu genießen. Doch das Erlebnis ist sehr intensiv und geschwind. Rosarote Brille, Leidenschaft für das tätige Leben, der Wille des Erfolgs, Glauben an die Träume, Erreichen, Verwirklichen.

Als ob du in die ganze Welt verliebt wärest.

apfelblüte

Nicht narrativ, nonverbal

In den nächsten Beiträgen möchte ich ein kleines filmisches Programm präsentieren, welches ich 2015 aus Kurzfilmen und Videos zusammengestellt habe. Im Mittelpunkt des Programms stehen nonverbale, nicht klassische narrative Techniken, nicht lineare Narrativen, mit anderen Worten: das Reduzieren der Narration und des Verbalen, außerdem die Wiederholung, das Multiplizieren und die Transformation der Abschnitte. Weil diese Techniken Bilder und Szenen zirkulieren lassen und Musterhaftigkeit erzeugen, es scheint fast selbstverständlich zu sein, dass sich die aufgenommenen Szenen mit graphischen Modulationen noch weiter transformiert werden. Somit entsteht ein Wackeln zwischen Fiktionalität und Realität. Der visuellen Wiederholungstechnik entspricht die repetitive Musik. Insofern die klassische Narration fehlt, werden die Musik und die Graphik und auch die anderen Künste, wie Tanz, performativ Kunst als Thema bedeutsam.

tango.png

Still aus dem Kurzfilm Tango

1. Zbigniew Rybczyński: Tango (1980)

8.14 Minuten. Nicht narrative filmische Techniken erscheinen vorbildlich: Wiederholung der Abschnitten, Multiplizieren der Sequenzen, Gleichzeitigkeit und räumliche (Pseudo-) Koinzidenzen der Ereignissen.

2.. Cyriak: Cirrus (2013)

3.23 Minuten. Diesen Videoclip für Cirrus von Bonobo gestaltete der Graphiker Cyriak, der seine Inspiration von Zbigniew Rybczyński’s Film Tango verlieh.