Ein magisches Bild des Archipels

Hawaii lebte in meiner Fantasie, als ein virtueller Urlaubsort, der wie ein für mich nie erreichbarer, irdischer Garten Eden sei. Dieser Roman ist ein wahres und zugleich magisches Bild des Archipels. Über die Armut hinter dem Tourismus, der nach und nach die Landwirtschaft als Einkommensquelle der Hawaiianer abgelöst hat. Über die Einheimischen, die nicht mehr…

Christo und Jeanne-Claude grenzenlos

Kurz vor seinem Tod im Mai 2020 willigte Christo in die Ausstellung im Kunstpalast in Düsseldorf ein, die die Entwicklung der künstlerischen Sprache, die er mit Jeanne-Claude seit den 1950er-Jahren entwickelt hat, nachzeichnet. Christo Javacheff wurde 1935 in Bulgarien geboren. Mitte der 50er in Paris angekommen wurde er schnell Mitglied der damals sehr aktiven Künstlergemeinschaft…

Die fremde Frau in der Ferne

Wer hat sich nicht gerne auf die imaginäre Reise durch das Mittelmeer hinbegeben mit dem erfinderischen Odysseus? Um seine Abenteuer mitzuerleben, seinen Geschichten zuzuhören? Doch wer hätte mit Penelope zu Hause bleiben und auf ihn warten wollen? Penelope ist im Vergleich zu ihrem Mann die fremde Frau in der Ferne für das Publikum. Die Doppelmoral…

Privatdetektiv Marlowe

“Ich stand da, den Hörer halb zwischen Ohr und Gabel. Dann legte ich ihn ganz langsam ab und blickte die Hand an, die ihn gehalten hatte. Sie war halb offen und stocksteif, als hätte ich den Hörer immer noch in der Hand.” S. 229. Was hat er nur gehört, fragt ihr? Marlowe, der hardboiled Privatdetektiv…

Schneeweiße Blüten

Während ich den Kurzgeschichtenband von Cho Nam-Joo gelesen habe, fiel mir öfters der Titel: “Erste Person Singular” von Murakamis Erzählband ein. Das könnte ein Genre sein: Kurzgeschichten aus der Ich-Perspektive erzählt, indem die Erzählperson den Lesenden so familiär ist, so nah auf sie zukommt, dass ihre Existenz  ihnen authentisch, ihre Geschichte glaubwürdig vorkommt. Doch die…

Brief an die Menschen

“Genau da kam ein gans junger Mänsch im Strammpel Alter vorbeigestrammpelt, si lechelte und dachte vleich, wir wären Hunde. Und in irer Hand fil uns was auf: Fressen! Schaute gut aus und roch super. Ein Brötschen! Und gans plözzlich wollten wir gern ein fären Dil mit ir abschlisen, demzufolge wir was von irem Brötschen abhaben…

Reise im Totenreich

Das Geheimnis von “Lincoln im Bardo” liegt einerseits in der visionären Darstellungform, andererseits im sprachlichen und literarischen Einfallsreichtum. Die Geschichte spielt, ähnlich wie in der “Göttlichen Komödie” von Dante, im Reich der Toten. Erzählerstimmen berichten über Bardo – die Zwischenwelt, wo sie sich gerade befinden (“Krankenkiste”), von dem Dasein noch nicht ganz befreit, das Jenseits…

Unterwegs im Iran

Eine Suche nach der Bedeutung persischer Wörter. Mona, die Erzählerin von „Sechzehn Wörter”, ist eine in Köln aufgewachsene Iranerin. Die Jetztzeit des Buches erzählt ihre Reise im Iran, wohin sie mit ihrer Mutter zur Beerdigung ihrer Maman-Bozorg fliegt. Im Iran ist sie aber nicht zum ersten Mal, sie hat hier früher als Journalistin gearbeitet. Wie…

Gute Erzählungen schreiben

Wie schreibe ich gute Erzählungen? Das lehrt uns George Saunders mithilfe Meisterwerke von Tschechow, Turgenjew, Tolstoi und Gogol, indem er diese Perlen der russischen Literatur als Beispiele nimmt, um zu zeigen, es ist nicht einfach das Genie, das diese Werke zu so bewundernswerten Lektüren macht, sondern unter anderen Perspektive, Methode, Wissen, Erfahrung und Übung. Lesen…

Bei Nacht

Der Schriftstellerin wurde das Angebot gemacht, in der Punte della Dogana zu schlafen, dem legendären venezianischen Baudenkmal. Ich verstehe diejenigen, die bei solchem Angebot aufseufzen würden: „Ah, das ist traumhaft!“ Was für ein Abenteuer wäre das auch für mich. So konnte ich dem Gedankengang der Autorin am Anfang kaum folgen, emotionell war ihre Ambivalenz für…