Musik als eine Metapher fürs Leben

Du könntest leicht denken, dass ein(e) begabte(r) Musiker*in bestrebt sein sollte, Solokarriere zu machen, um wirklich alles von ihren Möglichkeiten zu verwirklichen. Und wenn jemand leider kein Wunderkind ist, könntest du auch denken, dann spielt er wohl lieber in einer Band. Doch ein Ensemble, und davon handelt das Buch, kann etwas Größeres und Kühneres sein als die sonst wunderbaren Musiker, aus denen es besteht, selbst sind. Ein Ensemble besteht nicht nur aus den Musikern, sondern auch aus den Menschen, die sie sind, und aus ihrer Verbundenheit. So eine schöne Liebeserklärung an die Menschen und die Musik zur Schau zu stellen! Der Roman hat mich ganz begeistert.

Die Geschichte spielt in San Francisco, Kanada und New York, und folgt den vier Musikern ab ihrem Abschlusskonzert. Jana, erste Geige, ist zum Auftakt des Buches distanziert. Du denkst, sie sei sogar schrecklich, wie sie das Interesse des Streichquartetts vor die Moral stellt. Brit, zweite Geige, ist dagegen feinfühlig, naiv, Daniel, Cello, unsicher und genervt. Und Henry, Bratsche, das Wunderkind? Wie ein Träumer. Sie bereiten sich auf Wettkämpfe und Konzerte vor, oder spielen auf der Bühne (z. B. Carnagie Hall), so ist die Musik ein stets präsentes Thema. Hier ein praktischer Hinweis: all die Musikstücke, die im Roman erwähnt werden, stehen auf Spotify in der Trackliste „The Ensemble by Aja Gabel“ zur Verfügung. Natürlich sind sie auch im Roman aufgelistet.

Aja Gabel, die selbst von Kindheit an Geige, später Cello gespielt hat, setzt die vier Musiker in einem entspannten Erzähltempo in Szene. Immer wieder stellt sich selbst für diese Personen die Frage, wer sie überhaupt sind. Dann wird klar, dass es schon längst darum geht, was sie zusammen sind. Ihre Privatsphäre, was ihre Familien, Partnerschaften betrifft, fließt nämlich in ihre Darbietungen ein, ebenfalls hat das Ensemble Auswirkungen auf ihre persönlichen Entscheidungen. Aus dem zunächst als Störung wahrgenommenen Durcheinander von Eigenschaften, menschlichen Stärken und Schwächen entsteht dann ein bewegliches Etwas, was mal harmonisch, mal disharmonisch, doch wunderbar bereichernd ist (und nie endet).

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Aja Gabel: Das Ensemble, aus dem amerikanischen von Werner Löcher-Lawrence, Piper, 2020 [2018]

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