Charlotte Salomon

Foenkinos setzt mit seinem Roman der deutsch-jüdischen Malerin Charlotte Salomon ein schönes Denkmal. Ihre Lebensgeschichte ist selbst so tragisch, dass die Arbeit dem Schriftsteller, wie er in den selbstreferenziellen Episoden berichtet, unheimlich viel Zeit und Bürde in Anspruch nimmt. Deshalb schreibt er den Roman Zeile für Zeile, Satz für Satz, als ob man beim Gehen jeden Schritt überlegen würde. Und damit hebt er jeden Satz hervor. Ich konnte das Buch auch nur in kleinen Etappen lesen, tatsächlich war jede Episode erschütternd.

Foenkinos betont auch, dass er sehr viel über Charlotte, ihre Verwandten, Bekannten, ihre Aufenthaltsorte recherchiert hat. Er ist von ihrer Kunst durch und durch begeistert. Seine Quelle ist ihr autobiografisches Werk: „Leben? Oder Theater?“, und verdichtet es zu einem poetischen Roman. Mit erstaunlich vielen Wendungen fabuliert er die Geschichte dieses kurzen Lebens. Er malt zudem eine Welt der menschlichen Grausamkeiten während des 2. Weltkriegs. Und berichtet über seine Erfahrungen bei Recherchen, dass es auch heute Menschen gibt, die sich vor der Erinnerung verschließen, und von Charlotte Salomon nichts wissen wollen (egal, ob in Deutschland oder Frankreich, oder anderswo). Das biografische Buch stellt sich die Frage, wer und was ein Künstler, eine Künstlerin ist. Welche Schicksalsschläge, soziale Begebenheiten oder psychische Vorgänge zur Entstehung der Kunst beitragen.

David Foenkinos: Charlotte. Aus dem Französischen von Christian Kolb, Penguin Verlag, 2015 (2014)

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