Schriftsteller in Düsseldorf: Salih Jamal – Interview und Gewinnspiel

Vielleicht hat die Stadt, oder die Region, wo wir leben, wenig Auswirkung auf unsere Weltanschauung. Oder aber verbindet ein Ort seine Bewohner gedanklich mit einander, wenn das ihnen auch nicht bewusst ist? Vielleicht erzählen auch über die Orte die Werke, die von ihren Bewohnern hervorgebracht werden. Mir kam auf jeden Fall in den Sinn, Autoren und Künstler aus meiner literarischen, künstlerischen Umgebung zu einem kurzen Interview einzuladen.

Ich möchte zunächst Salih Jamal, in Düsseldorf lebenden Schriftsteller vorstellen. Ich las sein Buch Orpheus, meine Rezension über das Buch könnt ihr nach dem Interview lesen.

Ich möchte dazu beitragen, dass Orpheus noch mehr Leser*innen findet, deshalb kündige ich auch ein Gewinnspiel an. Die Bedingungen befinden sich ganz am Ende des Beitrags.

Also zum Interview.

BG: Wie würdest du dich vorstellen? Wer ist Salih Jamal?

SJ: Salih Jamal ist der Sohn eines Palästinensers und einer Solingerin. Er lebt mitten in Düsseldorf unter dem Dach einer superkleinen Wohnung, aber mit riesiger Dachterrasse und dortiger Discokugel.

So wie man es im Klappentext meines ersten Romans Briefe an die grüne Fee – Über die Langeweile, das Begehren, die Liebe und den Teufel entnehmen kann, habe ich tatsächlich als Kurierfahrer, bei McDonalds, als Rosenverkäufer in Bordellen und bei einem Herrenausstatter auf der Königsallee gearbeitet. Es gab noch mehr unglaubliche Beschäftigungen, und man weiß nie so ganz genau, was jetzt in den Büchern autobiographisch ist, und was nicht. Ich habe einmal die große Suppenkelle in Abrahams Wurstkessel gehalten und gieße alles in meine Bücher.

BG: Mit welchen drei Worten würdest du dich beschreiben?

SJ: Eine Aufwärmfrage? Ok, also: fürsorgend, grenzenlos und faul.

BG: Was sind deiner Meinung nach die größten Sorgen eines Schriftstellers?

SJ: Kann ich je wieder ein Buch schreiben, wird es mir gelingen einen Sound – ganz speziell fürs dieses Buch – zu spüren, und wenn,  was werden die  Leser davon halten.

BG: Stellst du dir beim Schreiben einen Leser oder eine Leserin vor? Wie?

SJ: Nein, gar nicht. Ich bin dann irgendwie weg von der Welt. Fort. Futsch und ohne Rückfahrkarte. Leserinnen und Leser spielen erst eine Rolle, wenn mir Barbara (meine Lektorin) sagt, dass ich Murks oder etwas Unlogisches geschrieben habe.

BG: Welche ist deine Lieblingsmusik, dein Lieblingsbuch, dein Lieblingsfilm?

SJ: Musik, das ist schwer. Aber es gibt auf YouTube eine Playlist zu Orpheus, und für Das perfekte Grau wird es auch eine geben. Lieblingsbücher habe ich viele. Zur Zeit lese ich Portrait meines Verlagskollegen Jürgen Bauer und bin begeistert. Aber in der ewigen Bestenliste finden sich Momo, Krabat, Owen Meany, Betty Blue, Henry Miller, Truman Capote,  und ganz besonders liebe ich Der Prophet von Khalil Gibran.

BG: Woher kam die Idee des Romans Orpheus?

SJ: Reich-Ranicki hat gesagt: Es gibt nur zwei Themen. Die Liebe und den Tod. Ich finde, da hat er recht, weil ich an mich selbst den hohen Anspruch habe, dass ich etwas schreiben will, das irgendwie bleibt. Etwas was die Leser*innen nachhaltig berührt. Das schafft kaum ein Krimi oder ein anderes Genre. Also bot sich Orpheus geradezu an.

BG: Es ist ein sehr poetischer Roman. Hast du daran gedacht, über die wahre Liebe einen Gedichtband zu schreiben?

SJ: In jedem der schreibt, wohnt die Sehnsucht und die Traurigkeit. Nur wenn der Himmel auf dich hinabfällt, dann kanns gehen. Was nutzt die Poesie ohne den Schmerz, ohne die Wut und ohne das Erbarmen? Ich versuche es ja mit der Lyrik. Es findet sich ja immer mal ein Gedicht in meinen Büchern. Aber da ich nichts davon verstehe, hab ich Schiss. Ich bewundere die Lyriker, die sich das Herz rausreißen und dem Leser auf den Tisch legen. Ich traue mich das nicht so wirklich.

BG: Was verbindet dich mit Düsseldorf? Wie fühlst du dich hier?

SJ: Ich finde, Düsseldorf hat ganz genau die richtige Größe. Man kommt unter Umständen zu Fuß überall hin. Das ist wichtig für mich, weil ich mich andauernd mit der Straßenbahn verfahre und plötzlich ganz  wo anders rauskomme wo ich nicht hin wollte. Dennoch ist es eine Großstadt mit allem was  das Herz begehrt. Kultur, Szene und so etwas. Allerdings finde ich, dass in Köln das Kulturangebot größer ist. Überhaupt mag ich auch Köln.

BG: Herzlichen Dank, Salih!

Orpheus

Der Roman „Orpheus“ ist eine atemberaubende Liebesgeschichte und ein grauenhafter Thriller. Er beschreibt traumhaft das körperliche Erleben der ewigen Liebe und die Angst vor dem Verlieren der geliebten Person und vor dem Vergehen von alles was lebt. Ein brutaler Mordfall entrollt sich hinausgezögert. Der emotional sehr betroffene Ich-Erzähler erkämpft die Schilderung des Mordes langsam, umkreisend, wodurch die Erzählung persönlich wirkt, und wehmütig ist. Wie ein Blues. Die Musik macht möglich, das Unerträgliche, die Trauer und die Brutalität zu erzählen. Jedes Kapitel trägt den Titel eines Songs, der erste Titel ist Those were the days, my friend von Leningrad Cowboys, der gleich auch auf einen Film hinweist, den ich mag, aber zum Beispiel Pink Floyd, Mahler und Beethoven kommen auch zum Wort. Und auch die Mythologie, selbstverständlich, denn die Geschichte von Orpheus und Eurydike wird neu erzählt.

Mir haben solche ahnungsvollen Sätze am besten gefallen, wie:

„Das Abwartende, Unsichere und Zurückhaltende an seinem Wesen übertünchte auf eine zerbrechlich charmante Art das Lauernde in ihm. Etwas, was unter seiner Haut schwelte und jederzeit losbrennen konnte.“ S. 91.

Salih Jamal: Orpheus. Musik, Liebe, Tod. 2018

Gewinnspiel

Das Gewinnspiel läuft auch auf meiner Instagramseite. So könnt ihr mitmachen:

📚 Schreibt einen Kommentar, dass ihr an der Verlosung teilnehmen möchtet.

📚 Ihr könnt eure Teilnahme auch dadurch ankündigen, dass ihr einen Satz darüber schreibt, was unsterbliche Liebe ist, und ob sie gibt.

📚 Wer möchte, darf Buchfreund*innen markieren, für die das Buch interessant sein könnte.

📚 Toll wäre, wenn ihr mein Gewinnspiel teilt, damit noch mehr Menschen davon erfahren.

Teilnehmen könnt ihr bis 23.09.20, 23.59 Uhr, wenn ihr in Deutschland eine Adresse habt. Die Verlosung steht in keinem Zusammenhang mit Instagram oder Facebook. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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