Schroffe Felsküsten, Flechten, Ufervegetation und violetter Tang in grünem Wasser.

Kunst und Literatur sind lebendig. Zum Leben einer Stadt gehört sicherlich auch ihr künstlerisches und literarisches Leben dazu. Wie Autoren und Künstler sich ausdrücken, welche Geschichten sie erzählen, wer sie sind, lässt etwas vom Ort spüren, wo sie leben. Mir kam auf jeden Fall in den Sinn, Autoren und Künstler aus meiner literarischen, künstlerischen Umgebung zu einem kurzen Interview einzuladen.

Ich sprach Ende September mit Hugo Boguslawski in seiner Ausstellung im schönen Jacobihaus. Meine Eindrücke über die Ausstellung könnt ihr nach dem Interview lesen.

Hugo Boguslawski: [Bornholm] – Ausstellung im Künstlerverein Malkasten Düsseldorf, Jacobihaus. Sie ist bis 23. Oktober zu besuchen. Öffnungszeiten dienstags von 19 – 22 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung unter 0211 – 35 64 71.

Das Interview.

BG: Wer ist Hugo Boguslawski kurz und gut formuliert?

HB: Er ist fünfzig Jahre alt, Maler, immer schon gewesen, von ruhigem, bisweilen sogar ausgeglichenen Temperament. Lebt und und arbeitet in Düsseldorf, Atelier in Oberbilk direkt am Volksgarten. 20 Jahre Rheinland haben seiner westfälischen Sturheit bisher nichts anhaben können.

BG: Welche deiner Eigenschaften sind ausschlaggebend für deine künstlerische Tätigkeit?

HB: Ruhe und Konzentration, Beobachtungsgabe, Genuss und Freude an der Schönheit, der Wille zur Intensität, durchaus auch Fleiß, Handwerklichkeit, Freude am Material, Detailverliebtheit, aber keine Pingelei. Im Sinne von Nam June Paik: „When too perfect lieber Gott böse“.

BG: Welche Rolle spielt die Kunst in deinem Leben? Also was fehlte, wenn es keine Kunst gäbe?

HB: Schwer zu sagen, was wäre, wenn es etwas, das die Menschheit seit jeher begleitet, ja ausgezeichnet hat, nicht gäbe. Man müsste die Kunst erfinden. Weniger allgemein gesprochen: mir persönlich fehlte mein Beruf, meine Art, mich mit der Welt auseinanderzusetzen und diese zu begreifen.

BG: Was sind deine größten Sorgen und größten Freuden als Künstler?

HB: Als Künstler ist man ständig in der prekären Situation nicht zu wissen, wann das nächste Mal Kohle reinkommt. Die existenzielle Sorge gehört praktisch dazu. Freude machen natürlich Erfolg und Anerkennung. Wir stehen ja hier gerade in der aktuellen Ausstellung. Wenn eine Ausstellung so gelungen, wie ich finde, diese ist, und dann auch noch gute Resonanz findet, das macht Freude. Wenn man sich ein neues Thema erarbeitet, einen Zugang zu seinem Sujet findet, eine Technik entwickelt, das Material in ein Bild zu überführen, zu sehen, wie sich die Dinge entwickeln, sich dabei ungeahnte Türen öffnen, wenn man einen Gegenstand, aber auch die Malerei selbst, immer besser kennenlernt, den Gegenstand oder die Malerei irgendwann in allen Aspekten und Dimensionen erfasst – das macht mir Freude.

BG: Woher kommt deine Inspiration?

HB: Meine Inspiration kommt normalerweise aus der Natur, meistens irgendwelcher Form von Landschaft. Sie entsteht aus einer Kombi aus persönlichen Interessen (Reisen, Wandern, Paläontologie) und malerischen Fragen (Spiegelung, Schatten, Farbwahrnehmung).

BG: Was bedeutet dir Bornholm? Warum Bornholm?

HB: Meine Freundin stammt aus Bornholm, ihre Familie lebt dort, sodass wir die Insel einmal im Jahr besuchen. Inzwischen bedeutet mir die Insel aber auch Inspiration. Hier gibt es eine einzigartige Vegetation und Geologie, das Licht und die Farben sind sehr speziell. Granit- und Kalkstein-Formationen, Waldboden, schroffe Felsküsten, Flechten, Ufervegetation, violetten Tang in grünem Wasser, einen unglaublich hohen Himmel. Man sieht nachts die Milchstraße.

Halleklipperne Bornholm

BG: Siehst du Möglichkeiten auch in anderen Formaten, wie Videokunst zum Beispiel?

HB: Je intensiver man sich mit der Sache beschäftigt, desto unendlich größer wird sie schließlich. Die Möglichkeiten der Malerei sind im Prinzip unendlich und lange nicht ausgeschöpft. Für mich persönlich sehe ich daher keine Veranlassung, mich auf andere Formate zu erweitern. Ich mache aber neben der Malerei auch gelegentlich graphische Arbeiten und auch kleinere Aquarelle.

BG: Welche Beziehung hast du zu Düsseldorf?

HB: Ich lebe seit 20 Jahren in Düsseldorf, hier ist mein Lebensmittelpunkt. Düsseldorf ist meine Heimat geworden. Ich lebe und arbeite in Oberbilk, direkt am schönen Volksgarten. Unser Viertel zeichnet sich durch eine tolle Nachbarschaftlichkeit und persönliche Nähe aus. Ich schätze aber auch die Angebote und Möglichkeiten, die die Großstadt bietet. Und natürlich die Offenheit der Rheinländer der Kunst und dem Savoir-vivre gegenüber.

Die Ausstellung

Hugo Boguslawksis Malerei strahlt die Atmosphäre des Naturerlebnisses aus. Statt traditionellen Möglichkeiten der Landschaftsmalerei aufzugreifen, erforscht Hugo Boguslawski eher neue Wege. Seine Gemälden bilden zwar die Landschaft ab, jedoch fragmentarisch und ausdrücklich in einem besonderen Format. Anders naturgetreu als es im klassischen Sinn gilt, wie fotorealistisch oder Pleinair. Sondern naturgetreu so, wie die Natur zum Beispiel durch ein Mikroskop gesehen wird, wie sie organisch und strukturell zusammengestellt ist. Trotzdem stellen die Bilder nicht einfach die kleineren Elemente der Natur vergrößert dar, nein, sie bieten viel mehr eine andere Betrachtungsweise.

Diese Bilder zeigen die Natur in ihrer Vielschichtigkeit, in ihrer Vielfalt, ohne die Betonung auf ein Element oder auf die Oberfläche zu setzen. Diese Betrachtungsweise fokussiert sich nicht auf das Licht, oder auf die Wasseroberfläche oder auf die Bäume oder Tiere, die so oft unsere Aufmerksamkeit verdienen, sondern reflektiert den Zusammenhang, die Gesamtwirkung der unzähligen Elementen. So geben diese Bilder den Eindruck, eine Landschaft gesehen zu haben, mitsamt Atmosphäre, also Beweglichkeit und Feuchtigkeit der Luft und mitsamt mikroskopischer Bestandteile. Die Gesamtwirkung der mit bloßem Auge nicht sichtbaren Teilchen verursacht, dass die Landschaft für unser Auge erscheint, wie beim Nebel verschwommen oder beim Sonnenschen in Lichtreflexionen und in farblichen optischen Täuschungen glitzernd.

In den Vitrinen des Jacobihauses spüren Fotos, Landkarte, Zeichnungen die Entstehung der Gemälden auf.

Diese Bilder stellen den Betrachter vor einen Rätsel. Was sehe ich hier? Auf den ersten Blick erkenne ich etwas, was ich aber nicht sofort einordnen kann. Hugo Boguslawski malt ganz kleine Motive, die er in einem Rhythmus wiederholt und variiert, und dadurch als Muster zerlegt. Diese Technik reflektiert die Reproduktivität der Darstellungskunst, aber erinnert auch daran, dass organische Geweben mikroskopisch musterhafte Strukturen aufweisen. In den Gemälden der Ausstellung bilden die verschiedenen Motive aufeinander geladene Musterschichten. Im Gesamtbild entstehen farbliche Strukturen, Tiefe und Perspektive. Es ist sinnvoll die Gemälden auch im Ausstellungsraum zu sehen, damit die Betrachter wechselnde Blickwinkel einnehmen können, von denen das jeweilige Bild am besten zur Geltung kommt.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s