Giovanni Tomasi di Lampedusa

Tomasi di Lampedusa ist eine alte Adelsfamilie auf Sizilien. Der Stammvater der Tomasi Familie wurde „den Leopard“ genannt, er war General und Kommandant der kaiserlichen Garde des byzantinischen Kaisers Tiberios I. im 6. Jahrhundert. In 1000 Jahren heiratete ein Tomasi als Vizekönig von Sizilien eine Baronin, dadurch geriet die Insel Lampedusa in Familienbesitz. Seit dem17. Jahrhundert wurde das Familienoberhaupt Tomasi di Lampedusa Herzog von Palermo und Fürst von Lampedusa. Der vorletzte Fürst von Lampedusa war Giovanni Tomasi di Lampedusa, der im Roman Il Gattopardo/ Der Leopard den Niedergang des sizilianischen Adels zu Papier brachte.

Der Künstlerroman, den Steven Price mit dem Titel Lampedusa (auf Deutsch Der letzte Prinz) veröffentlicht hat, handelt von dem Schriftsteller, Giovanni Tomasi di Lampedusa. Obwohl der Sizilianische Fürst in seinem Roman Der Leopard den gesellschaftlichen Wandel des 19. Jahrhundert schildert, schwingt selbstverständlich mit, dass auch sein Leben von politischen und gesellschaftlichen Veränderungen geprägt wird. Der Leopard ist seine Maske. Was für ein Thema! Der Roman Der letzte Prinz fokussiert die Jahre, in denen Der Leopard entsteht. Es sind die letzten Jahre des Schriftstellers. In Erinnerungsscherben erscheinen die Kriege, sein Gefangensein während des ersten Weltkriegs und die Zerstörung des Stadtpalastes der Tomasi di Lampedusa in Palermo 1943; die Katastrophe, als seine Mutter drei Schwester hintereinander verloren hat, eine Schwester ist beim Erdbeben in Messina gestorben, andere wurde von ihrem Geliebten in Rom ermordet und die Dritte brachte sich darauf um; das Idyll, als Giovanni Tomasi seine Frau, Licy kennengelernt hat.

„Leg das weg, Licy, sagte seine Tante auf Französisch. Hier ist Pietros Neffe.

Frisch aus Palermo, erwiderte Alessandra kühl, als hätte sie ihn erwartet. Dann hob sie den Blick und schaute ihn an, und er konnte nicht anders, er glotzte. Sie hatte die schönen traurigen Augen seiner eigenen Mutter.

Giuseppe Tomasi, sagte er mit einer kleinen Verbeugung.“ S. 211.

Die allerschönste Szene ist meiner Meinung nach, als Giovanni Tomasi, nachdem er den Roman im Großen und Ganzen fertiggeschrieben hat, seine Verwandten, die Piccolos, in Capo d’Orlando besucht. Bis dahin ist Giovanni für mich zu blutarm, kaum lebendig (immerhin er ist krank), doch hier in der Mitte des Buches nimmt er Gestalt an. Auch sein Besuch im Kloster in Palma packt mich sehr, wo er als Fürst behandelt wird, als ob die Nonnen nicht im 20. Jahhundert lebten. Denn hier spürt man die Spaltung in der Bedeutung eines Fürsten. Diese Szene geht dem Schreiben des Romans Der Leopard voraus, daher ist dramaturgisch wichtig.

Kein Roman, den ich verschlungen hätte. Ich ließ dem Lesen Zeit. Ich fand ein wenig verfremdend, dass Giuseppe als trocken dargestellt ist. Er schmeckt ein wenig nach Papier. Der Roman spielt in den 50-er Jahren. Auch diese Jahre werden (zwar in Neapel) im Meine geniale Freundin von Elena Ferrante ins Leben gerufen, und zwischen den zwei Welten ist ein himmelweiter Unterschied. Zugegeben, die zwei Romane spielen in verschiedenen Milieus.

Steven Price: Der letzte Prinz. Aus dem Englischen von Malte Krutsch, Diogenes, 2020

Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar!

Von dem Autor las ich „Die Frau in der Themse“ auch.

Eine Besprechung über das Buch „Der letzte Prinz“ las ich auf Arcimboldis World.

Über das Buch „Der Leopard“ findet ihr eine Besprechung auf Literaturreich.

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