Zitronenschnaps von trüber, blassgelber Farbe

Dieser Roman wird vom Duft der Zitronen durchflutet. Demjenigen Duft, der beim Zitronenschneiden zu spüren ist. Der Schauplatz ist Capri, diese schöne Insel, vom azurblauen Meer umgeben, mit ehrfurtgebietenden Felsen und in vieler Hinsicht vom Festland abgeschlossen. Die Geschichte spielt im November, als die Oliven-, Pflaumen- und Zitronenbäume zu pflegen sind. Die Zitronen sind schon gepflückt worden und landen entweder in den Fruchtkörbchen europäischer Zuhause, oder in der Limoncello-Fabrik. Capri, Sorrento und der Golf von Neapel sind auch von ihren Zitronen berühmt, und der Limoncello Likör wird eben aus einer besonderen Sorte, die hier heimisch ist, hergestellt. Als auf den Serpentinen Capris ein Unfall geschieht, der sich als Mordanschlag entpuppt, führt die Ermittlung zur Limoncello-Fabrik und zu den Zitronenhainen.

Der „Bittersüße Zitronen“ ist ein Capri-Krimi – ohne Touristen. Kein Thriller. Er bietet einen geheimnisvollen Kriminalfall, ein wenig Urlaubsgefühl und den Capri-Spirit. Am liebsten sind die Inselbewohner: ein Detektiv und eine Detektivin: Rizzi und Cirillo heißen sie, ein Lemoncello-Fabrikant, der aus Ghana stammt und sich aus Zitronenpflücker hochgearbeitet hat, eine Rezeptur-Inhaberin: eine alte Signora im langen schwarzen Rock, das Oberhaupt einer alteingesessenen Capreser Familie, die als solche zu den reichsten Leuten gehört auf der Insel, eine temperamentvolle Landwirtin, die ihre Zitronen-Geschäft modernisieren will, außerdem Bauer, Bäuerinnen und Gastwirte. Diese Figuren verkörpern das Caprese Milieu, sie sind keine Helden, sondern Menschen mit realen Problemen. Sie haben Macken und machen Fehler. Sie sind mit ihren Familien innig verbunden, sie pflegen ihre Gärten, reden geradeaus, dabei verheimlichen vieles, haben ihre Liebschaften, kochen ihren Charakterzügen entsprechend die Gerichte und fertigen Limoncello nach ihren eigenen Rezepten.

„»Und er ist in diesem Jahr besonders gut geworden«, lobte Vito sich selbst und goss den Zitronenschnaps ein, der – anders als der Bellini-Limoncello – nicht quitschgelb, sondern von trüber, blassgelber Farbe war,“ S. 310

Ideal für eine entspannte (Phantasie-)Reise. Luca Ventura: Bittersüße Zitronen. Der Capri-Krimi, Diogenes 2021

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Keine Sorrento-Zitronen

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