Sommer

Auch mit dem Band des Jahreszeitenquartetts Sommer konnte mich Ali Smith zum Schluss verführen.

Das Buch packte mich nicht sofort. Ich konnte beim Lesen die Kulissen nicht vor mir sehen. Einige Szenen wurden nur auf Dialogen aufgebaut, ohne Beschreibung der Umgebung. Es gibt keinen Hinweis darauf, wie die Figuren aussehen. Das ist doch schön, nur blieben diesmal auch ihre Charakter und Eigenschaften unbestimmt.

Die Figuren, die ich aus anderen Bänden kenne, sind mir hier nicht wiedererkennbar. Oft fehlt mir hier die Atmosphäre der anderen Bände. Doch am Ende des Buches lasse ich mich schon wieder verzaubern. Ali Smith gibt mit ihren vielverzweigten Geschichten Hoffnung und führt die Leser in eine bessere Welt, welche auch Realität sein könnte, während sie über verheerende Ereignisse unserer Zeiten berichtet.

Was mir ganz gut gefällt, ist, dass man jetzt egal mit welchem Band des Jahreszeitenquartetts anfängt, ob mit „Frühling“ „Winter“, „Herbst“ oder „Sommer“, kann dann den Wechsel der Jahreszeiten einfach folgen. Die Geschichten hängen zwar locker zusammen, aber es gibt keinen Anfang und Schluss, sondern einen Kreislauf.


Es geht um Geschwisterliebe, Teenagersein, Mobbing, Klima, Krieg, Internierungslager… und auch um Geschenke, die uns verbinden.


„Wissen Sie, wie man den Träger in einem Gebäude auch nennt?
Wie denn?
Sommer, zumindest im Englischen. Der wichtigste Balken, baulich gesehen, sagt er. Er trägt einen Boden, ein Dach, beides. Da ist einer, schauen Sie.
Er weist auf einen kleinen Balkon hinter ihnen, der dort hängt wie mitten in der Luft.
Das ist mal ein prachtvoller Sommer, sagt er.
(…) Er kann eine schwere Last aufnehmen, so ein Sommer, sagt er.“ S. 294.

Ali Smith thematisiert im „Sommer“ auch das Thema Mobbing. Eine Hauptfigur des Romans, Robert, erlebt gruselige Angriffe in der Schule. Nicht weil er sich nicht anpassen kann, sondern nur weil er besonders klug ist und als Kind mit seiner Singstimme Preise gewonnen hat.

Die schottische Schriftstellerin zeigt auf, dass in der Öffentlichkeit zugleich ganz unwürdige Verhaltensformen akzeptiert werden.

„Aber wenn wir uns um das Primitive in uns allen nicht kümmern, was wird dann damit? , sagte Charlotte.
Keine Ahnung, sagte Robert. Es nistet ein?
Ich glaube, es kommt an die Oberfläche, und wir müssen überlegen, was wir damit machen, sagte Charlotte.“ S. 370

Ali Smith: Sommer, Luchterhand Verlag 2021

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