Unendliche Ungerechtigkeit

Elwood ist ein fleißiger und kluger schwarzer Junge am Anfang der 60-er Jahre in Florida. Er liest Martin Luther King und James Baldwin, somit hat ein starkes weltanschauliches Erbe. Er erhält einen Platz in einer College, doch er landet – völlig ungerecht in der Besserungsanstalt Nickel. Statt Literatur zu studieren, muss er durch böse Prügel der Wächter lernen sich zu unterwerfen. Elwood schließt Freundschaft mit einem offenherzigen Jungen, Turner, und diese Freundschaft bedeutet Überleben.*

Die Geschichte bleibt bis zum Schluss geheimnisvoll, indem der Erzähler zwischen der Jetztzeit und den 60-ern hin und her springt.

Das Buch stellt allmählich das Nickel vor, den Ort der willkürlichen Gewalt, der unendlichen Ungerechtigkeit. Wobei die farbigen Jungen getrennt leben und grausam gequält worden sind. Viele sind daran gestorben. Niemand ist ohne bleibende Spuren entkommen.

Immerhin ist nicht nur die Anstalt ungerecht, sondern die Welt, woher die Jungs kommen, und wohin sie zurückkehren würden.

„»Aber ich war eine Weile draußen, und jetzt bin ich wieder hier drin, und deshalb weiß ich, dass es hier nichts gibt, was die Leute verändert. Hier drin ist es genauso wie draußen, nur muss hier keiner mehr so tun als ob.«

Er [Turner] beschrieb verbale Kreise, alles wies auf sich selbst zurück. Elwood sagte: »Das verstößt gegen das Gesetz.« Gegen das Gesetz des Staates, aber auch gegen seine eigenen Maßstäbe. Wenn alle wegsahen, waren auch alle Mittäter. Wenn er wegsah, war er genau so belastet wie alle anderen.“ S. 93-94.

*Zumal Literatur Überleben ist.

Colson Whitehead: Die Nickel Boys. Aus dem Englischen von Henning Ahrens, btb [2019] Taschenbuchausgabe 2021 Januar

Lieben Dank für das Rezensionsexemplar!

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